INSZENIERUNG

A HETZ oder Die letzten Tage der Menschlichkeit
ZUR INSZENIERUNG

Die Fahrt der Zuschauer in Bussen durch den Hausruck ist selbst Metapher für die Episoden und kleineren und größeren Geschichten und Erzählstränge an diesem unkonventionellen Theaterabend.
Die ZuschauerInnen sind an diesem Abend ständig in Bewegung: mal im Reisebus, mal zu Fuß, mal in den Räumen selbst. Trotzdem werden sie mit Bekanntem und Traditionellem, mit Gewohntem und Vertrautem konfrontiert, auch wenn diese Situationen durch ungewöhnliche Aktionen immer wieder gebrochen werden.

Die Geschichte selbst, die das THEATER HAUSRUCK diesmal erzählt, entwickelt sich nicht linear, sondern in kleineren und größeren einzelnen theatralen Teilen. Sie erschließt sich dem Zuschauer erst im Laufe der Reise. So wird der Zuschauer auf eine Ausflugsreise gelockt, findet sich wenig später in einem beklemmenden Environment mit Asylsuchenden wieder und erfährt kurz darauf die Geschichte einer Frau aus Moldawien, die hier im Hausruck von einem grantelnden und xenophoben Gemeindebediensteten als Putzfrau engagiert wird. Ungewöhnliche Predigten und überraschend vorgetragene chorische Texte fügen sich langsam zu einem „Reisebild“ und zu einem „Reiseerlebnis“ zusammen. Am Straßenrand warnt eine moderne Kassandra inmitten von loderndem Feuer vor dem Zerfall der Menschlickeit, schaurig-märchenhafte Bilder stehen im Kontrast zu bedrohlichen Hetzparolen eines Sprechchors, böse „Geister“ in lärmenden Autos lehren die ZuschauerInnen das Fürchten und verfolgen sie. Filmische Sequenzen unterbrechen die Spielsituationen, zeigen Nebenschauplätze und geben thematischen Assoziationen Raum.

Die Bevölkerung ist Teil der Inszenierung. Das „Bühnenbild“ ändert sich im Verlauf der Reise fortwährend: Einmal ist es der Bus selbst, einmal ein Saal, dann wieder der Ortsplatz oder die schmale Gasse, einmal freies Feld in der Dunkelheit, einmal ein ganzer Landstrich. Die Inszenierung gibt Einiges vor: Szenen, Texte, Musik und Bilder. Vieles aber bleibt auch dem Zuschauer/der Zuschauerin überlassen: „A Hetz oder Die letzten Tage der Menschlichkeit“ versteht sich nicht zuletzt als Entdeckungsreise, auf die sich das Publikum begibt, um rund um die Szenen bzw. in sich selbt auf Ungeahntes zu stoßen. Der Fortgang der Geschichte ist geplant und organisiert, der Abend birgt aber auch viele Möglichkeiten für Zufälliges, nicht Geplantes und Überraschendes. Keine Vorstellung wird so wie die andere verlaufen. Jeder Abend erfindet sich somit wieder neu.

Auch die Probenarbeit zu dieser THEATER HAUSRUCK Produktion gestaltete sich ungewöhnlich. Viele Szenen und Texte entstanden aus Improvisationen und Gesprächen im Ensemble. Erfahrungsberichte und Geschichten aus dem Alltag wurden direkt in Szenen verarbeitet. Gespräche mit der Bevölkerung, mit Betroffenen und Verantwortlichen haben wesentlich die Dramaturgie des Abends bestimmt. Am Beginn der Probenarbeit war vieles noch unklar, erst durch die Arbeit vor Ort fügten sich die Puzzlesteine zusammen. Gerade in dieser Arbeitsweise erwies sich das Ensemble, das schon das fünfte Jahr zusammenarbeitet, als schlagkräftig und politisch engagiert.

Wichtig bei der Arbeit an „A Hetz“ ist der ständige Kontakt zur hier lebenden Bevölkerung, der unsere Arbeit im Ensemble stark prägt. Im Laufe der Probenwochen ist das Interesse der HausruckerInnen an unserer Arbeit gestiegen und immer mehr HelferInnen und MitakteurInnen haben sich dafür interessiert und uns angeschlossen. Unabhängig vom Ergebnis des Abends ist allein das schon ein großer Erfolg des Theaterprojektes und des THEATER HAUSRUCK Ensembles.

Georg Schmiedleitner

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